Entstehung des Klaviers



Das Wort Klavier kommt vom lateinischen „clavis“ und wurde später über Französisch zu „Klavier“ abgeleitet. Wörtlich heißt Klavier soviel wie „Schlüssel“, da früher die Notenschlüssel und Töne direkt auf die Tasten geschrieben wurden.

Das erste richtige Klavier, also ein Hammerinstrument, bei dem durch Variation des Drucks auf die Tasten die Lautstärke bestimmt werden kann, wurde 1698 von dem italienischen Insrumentbauer Bartolomeo Cristofori aus Padua gebaut.

Die neuartige Mechanik veröffentlichte Cristofori gemeinsam mit einer detaillierten Zeichnung, auf dessen Basis 1726 Gottfried Silbermann seinen ersten Hammerflügel in Deutschland konstruierte. Das Klavier war also vor der Orgel : )

Zu Beginn des 19. Jhd. gab es zwei vorherrschende Flügelmechaniken. Die Prellzungenmechanik (Englische Mechanik) und die Stoßzungenmechanik (Wiener Mechanik). Im Zuge der Romantik wollten die Komponisten und Pianisten mehr Kraft, Klangvolumen, größeren Tonumfang und mehr Lautstärke.

Für ein größeres Klangvolumen sind größere und schwerere Hämmer nötig. Dafür war die Wiener Mechanik weniger gut geeignet, weshalb sich die Englische Mechanik durchsetzte. Gleichzeitig wuchs zwischen 1750 und 1850 die Klaviatur von 5 auf 7.5 Oktaven an.

Um den Tonumfang und die erhöhte Lautstärke realisieren zu können mussten die Saiten dicker und vorallem mehr Zug auf den Saiten liegen. Diese enorme Zugkraft muss aufgefangen werden. Dies gelang durch einen eisernen Gussrahmen, der später durch einen stabileren stählernen Gussrahmen ersetzt wurde. Dies ist bis heute so geblieben, weshalb ein Konzertflügel bis zu 600 kg wiegen kann, während normale Klaviere aber „nur“ bis zu 300 kg wiegen.

Ende des 19. Jhd. waren Leipzig und Berlin die Zentren des Klavierbaus, wobei in Berlin über 200 Klavierbauer ansässig waren. 1886 wurden in Deutschland 73.000 Klaviere produziert, während in England als 2. größtem Produzenten nur 35.000 und in den USA 25.000 Klaviere jährlich produziert wurden. 1910 hatten die USA Deutschland mit 370.000 zu 215.000 Klavieren pro Jahr aber längst überholt, und durch den Weltkrieg wurde die Hochblüte der deutschen Klavierbaukunst jäh unterbrochen.

Sobald die Elektrizität entdeckt worden war, wurden Ende des 19. Jhd. auch elektronische Tasteninstrumente entwickelt, so z.B. das Rhodes Piano, was aber meist in anderen Musikrichtungen als das klassische Klavier Verwendung findet. So hat das Keyboard von der Technik her nicht mehr viel mit einem Klavier zu tun.

Ganz anders als die Keyboards versuchen die Digitalpianos, welche seit 1980 entwickelt werden, die Technik eines echten Klaviers möglichst genau nachzubilden. Dabei geht es vorallem um den Klang und das Spielgefühl (Klaviatur und Mechanik). Der Ton wird entgegen des weit verbreiteten Glaubens nicht künstlich synthetisiert. Er wird mit hochwertigen Mikrophonen unter verschiedenen Bedingungen wie Anschlagstärke, Pedal und Ton aufgenommen, und dann beim spielen des Digitalpianos entsprechend wieder abgespielt. Um das Spielgefühl eines Klaviers möglichst genau zu imitieren wird in sog. Hybridpianos Klaviermechanik für den Tastenanschlag eingesetzt.

Digitalpianos haben einige Vorteile gegenüber herkömmlichen Klavieren. so gibt es digitale Schnittstellen, sodass man direkt das gespielte ohne Mikrofon aufnehmen kann und teilweise sogar die gedrückten Tasten angezeigt bekommen kann. Die Tonfrequenz, Klangfarbe, Klangeffekte und das Stimmungssystem kann exakt gewählt werden. Außerdem kann man auch nur mit Kopfhörern spielen, sodass man auch nachts und ohne dicke Wände spielen kann.

Die Entwicklung, vorallem von Digitalpianos, ist im ständigen Wandel. Insbesondere die Software wird ständig weiterentwickelt.



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